Marienkapelle in Hluboká rokle u Lipnice (Tiefes Loch bei Limpach)

Ungefähr auf halbem Weg zwischen Studený (Kaltenbach) und Lipnice (Limpach), an einer Straße oberhalb des bewaldeten Tiefen Lochs befindet sich unter riesigen Fichten eine Waldkapelle für die Jungfrau Maria. Sie steht an einem uralten Kurierweg, der „Schluckenau-Prager Botenweg“ genannt wurde. Hier führte der Weg direkt durch eine tiefe Felsenschlucht, durch die ein silbernes Bächlein fließt. Wie Petr Kühn mit seinem Sohn dokumentiert hat, führte über den Bach noch im Jahre 2010 unterhalb der neuen Straße eine alte Brücke. Für die neue Straße, die erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert erbaut wurde, waren die felsigen Hänge der Schlucht zu steil, weshalb hier viele Kurven gebaut werden mussten. Die Alte Straße im südlichen Abhang der Schlucht führte in Richtung Lipnice (Limpach) durch einen Einschnitt im Felsen. Auf der anderen Seite der Straße steht im Tal eine schmale Felsensäule. Heute wissen wir nicht mehr, ob die ursprüngliche Straße zwischen der Säule und dem Felsen führte oder ob die Straße durch ein ursprünglich einheitliches Felsenmassiv durchgehauen werden musste. In die Felsensäule wurde im Jahre 1773 eine „Kapelle“ eingemeißelt. Die Reste der Brücke wurden am Abend des 9. Juni 2009 von einem Schlagregen und der nachfolgende 9 m hohe Flutwelle weggetragen. Das, was geblieben ist, wurde durch spätere Bauarbeiten geändert.

In der Nische der Kapelle dominiert ein tiefes Relief von Jungfrau Maria, die das Christkind im Arm hält. Das Relief wurde nach einem Vorbild der wundertätigen Mariastatue in Česká Kamenice (Böhmisch Kamnitz) erstellt. Inschriften auf den Kartuschen, die von zwei Engeln getragen werden, besagen, dass die Kapelle im Jahre 1773 zur Ehre Gottes und der schmerzensreichen Gottesmutter vom Dorfrichter Christoph Austen aus Studené (Kaltenbach) auf dem Grundstück von Elias Schiffner aus Lipnice (Limpach) errichtet wurde. Der untere Teil des plastischen Rahmes der Nische wurde teilweise durch das Relief einer Wolke mit zwei Engelköpfen überdeckt.

Die Errichtung dieses Votivbaus geht auf eine wundersame Heilung zurück, bzw. den Schutz vor der in Česká Kamenice (Böhmisch Kamnitz) ausgebrochenen Pest. Wie N. Belisová erzählt, ist die Gründung der Kapelle der Legende nach mit einer Geschichte aus dem Pestjahr 1713 verbunden. Damals erkrankten auch die zehnjährigen Kinder des Dorfrichters Ch. Austen (Inhaber des Bauernhofes Nr. 11) und des Bauern E. Schiffners (Nr. 24) aus Lipnice (Limpach). Die Eltern hatten schon früher vereinbart, dass sich die Kinder später verloben und sich die Familien dadurch verbinden sollten. Im Augenblick der tiefsten Hoffnungslosigkeit gelobten die Bauern einander, dass sie, wenn ihre Kinder überleben, am alten Weg im Tiefen Loch eine Kapelle zur Ehre der Mutter Gottes errichten lassen. Und geschah so es. Im Jahre 1773 wurde auf Schiffers Grundstück eine schöne Felsenkapelle in Barockstil erbaut. Die Archivquellen belegen jedoch, dass die Wirklichkeit etwas komplizierter war.

Adresse: 

Kunratice
405 02 Kunratice
Česká republika
50° 50' 13.4088" N, 14° 26' 8.1816" E

Kategorie: 

  • Monument